Das Projekt

Konzert in der Marktstrasse

Projekt: Sieben Künste von Pritzwalk
Idee: 2012
Planungsbeginn: 2013 als "Pritzwalk-Atlas"
Umsetzung: 2014
Projekt im Rahmen des europäischens Netzwerkes Neue Auftraggeber
Wichtigste Unterstützer: Ostdeutsche Sparkassenstiftung mit der Sparkasse Prignitz, Fondation de France, Stadt Pritzwalk
Weitere Partner: Zahlreiche Künstler, Unternehmen und Institutionen aus Pritzwalk und Umgebung und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt (mehr erfahren)

Die „Sieben Künste von Pritzwalk“ sind ein Projekt, bei dem die Kunst Kopfstand übt. Kann Kunst eine ganze Stadt zum Mitmachen einladen? Kann sie sich darauf einlassen, was eine Stadt wünscht, statt heimlich vorzubestimmen, was gute und was schlechte Wünsche sind? Können international arbeitende Künstler mit regional verankerten Künstlern zusammenarbeiten, ohne dass um Hierarchien, um Unten und Oben gekämpft wird?

Am Anfang hießen die „Sieben Künste“ ganz anders. Sie waren der „Pritzwalk Atlas“. Er sollte ein Porträt der schweigenden Mehrheit werden. Diejenigen sollten einen Raum bekommen, die sonst mit Kunst nichts zu tun haben wollen, die im Bild der Stadt nicht sichtbar sind. Dann haben Clegg & Guttmann (*1957) dieses Konzept umgekehrt. Statt eines Porträts, sagten sie, müsse ein Selbstporträt entstehen. Nur Pritzwalk könne sagen, wer die Pritzwalker sind. Ab da hieß das Projekt „Die Sieben Künste von Pritzwalk“ und wurde zu einem Schaufenster, über das allein die Pritzwalker bestimmten.

Pritzwalk leidet an Leerständen, an einer immer leereren Innenstadt. Eine Gruppe von Bürgern hatte uns, den Brandenburgischen Kunstverein gerufen, weil wir für das Netzwerk „Neue Auftraggeber“ Projekte organisieren, bei denen Bürger Auftraggeber, nicht Kulturkonsumenten sind. Nun, bei den „Sieben Künsten“, nahmen alle, die es wollten, sieben leerstehende Geschäfte in die Hand. In einem Brief an mehr als 12.000 Bürger riefen Clegg & Guttmann zum Mitmachen auf. Fast 70 Vorschläge gingen daraufhin ein, was in den Geschäften zu sehen sein sollte. Menschen zeigten Kunst, machten Musik, organisierten Veranstaltungen, von denen manche noch nie in der Öffentlichkeit aufgetreten waren.

Manche sagen, dass sei nicht die schweigende Mehrheit, dass seien doch gerade die Aktiven. Richtig ist: Es sind die, die jetzt, weil es um das Bild der Stadt ging, darum, wie man sie sich wünscht, sprechen wollten. Manche waren vorher sichtbar, andere erst jetzt. Sie bestimmten das Bild, sie wurden zu einer Gemeinschaft, die provisorischen, nicht immer perfekten Aktivitäten einer leeren Stadt vorzogen. Viele lernten einander beim Projekt erst kennen. Es war ein Projekt, das Spaß machte, statt einen Plan zu erfüllen. Es ignorierte eigentlich alle Pläne. Alle Vorgaben von außen. Es fand einfach statt. Es machte Wünsche an eine Stadt zu einer unübersehbaren Realität.

Inzwischen wurden eine Bibliothek und ein Kunstverein gegründet. Ein Jugendparlament soll entstehen. Ein Parlament? „Das ist ein Update Eurer Sieben Künste“, meinte einer der Initiatoren und weist darauf hin, worum es geht. Kunst redet viel über „Partizipation“, das Mitmachen, die Bildung. Wenn die Kunst fertig ist, mit ihren Aktivitäten, fängt aber für alle anderen das Mitmachen erst richtig an. „Kopfstand“ haben wir gerade gesagt? Es ist ein Fußstand. Clegg & Guttmann haben das radikale Experiment unternommen, Kunst vom Kopf auf die Füße zu stellen. Nicht generell. Nicht für überall. Für Pritzwalk. Für einen Ort. Die Stadt hat die Kultur in ihrer Mitte standfest gemacht und entschieden, was am dringendsten gebraucht wird und am meisten Spaß verspricht. Was man sieht, ist also einfach Pritzwalk. Und das war ja das Ziel. Leben in der Mitte. Selbstporträt. Eine Stadt im Wandel nimmt Kunst zum Anlass, eine Sprache für sich zu finden. Wir waren nur für die Arbeit an diesem Selbstbildnis zuständig. Aber wir sind gespannt darauf, wie es in Pritzwalk weitergeht.

 

Was sind die Sieben Künste von Pritzwalk?

Eine Ausstellung in sieben leerstehenden Ladengeschäften. Sie begann mit leeren Räumen und wuchs in drei Monaten zu einem Schaufenster Pritzwalker Kreativität. Eingeladen vom Künstlerduo Clegg & Guttmann schufen Bürger und Kreative aus der Region gemeinsam eine Ausstellung auf sieben künstlerischen Gebieten: Bildende Kunst, Musik, Theater, Tanz, Film, Mode und Sprache.

Wer konnte mitmachen?
Jeder war willkommen. Vom Schüler bis zum professionellen Künstler. In einem Aufruf an die Bürger wurde im Juni die ganze Stadt eingeladen, sich zu beteiligen.

Wer hat die Vorschläge umgesetzt?
Diejenigen, die sie gemacht haben, der Brandenburgische Kunstverein, Unterstützer aus der Stadt und Clegg & Guttmann.

Wieviele Vorschläge gab es?
Über 60 Vorschläge. Alle kamen aus Pritzwalk und der Prignitz oder von einigen Weggezogenen, die auf diese Weise etwas zur Entwicklung ihrer Stadt beitragen wollten. Nicht alle Vorschläge konnten umgesetzt werden (Kosten, Aufwand, bewusst utopische Vorschläge, jahreszeitenbedingt). Kein Vorschlag wurde aus inhaltlichen Gründen zurückgewiesen. Es gab keine künstlerische "Zensur'". Die Mehrheit der Vorschläge wurde realisiert.

Aktuell

Werk von Harms Cyrill Bellin.
10.08. bis 07.09.
Eröffnung: 
Samstag, 9. Aug - 20:00
Jens Wegner: Kleinbahnmuseum Lindenberg
17.08. bis 07.09.
Eröffnung: 
Samstag, 16. Aug - 18:00
Kopf von Bernd Streiter und Porträts von Gerhild Grolitsch
24.08. bis 14.09.
Eröffnung: 
Samstag, 23. Aug - 14:00
Jost Löber zu Gast in Pritzwalk
Eröffnung: 
Freitag, 5. Sep - 19:00
05.09. bis 07.09.
Eröffnung: 
Freitag, 5. Sep - 14:00